Tram-Verlängerung: “So läuft das nicht”

Artikel vun wort.lu vum 4. Abrëll 2014

Die von der geplanten Tram-Verlängerung betroffenen und somit auch in die Kosten involvierten Gemeinden Hesperingen und Niederanven werfen dem zuständigen Minister François Bausch Intransparenz vor. Beim Pressebriefing wies der Minister den Vorwurf allerdings zurück, das Projekt Tram sei alternativlos.

(mig / DS) – Die beiden Bürgermeister Marc Lies (Hesperingen) und Raymond Weydert (Niederanven) sind alles andere als begeistert, dass sie von Nachhaltigkeitsminister François Bausch nicht über eine Mitfinanzierung beim Trambau ins Bild gesetzt wurden. “So läuft das nicht”, sagten beide auf LW-Nachfrage.

Sie finden die Vorgehensweise des Ministers seltsam, “insbesondere, weil diese Regierung ständig von Transparenz spricht”, sagt Marc Lies. “Von einer Finanzierung war bisher noch keine Rede”, sagt der Hesperinger Bürgermeister.  Zwar sei bereits eine Verlängerung der Tramstrecke bis Howald unter der vorigen Regierung geplant gewesen, “doch auf einmal soll alles schnell, schnell gehen.”

Lies wirft dem Minister nicht vor, den öffentlichen Transport ausbauen zu wollen, sondern “dass er sich nicht mit den betroffenen Gemeinden zusammensetzt, um mit uns über die Pläne zu diskutieren. Immerhin läuft die Strecke über eine kommunale Straße, die im Falle des Trambaus umklassiert werden muss.” Des Weiteren sei im kommunalen Haushalt für die kommenden Jahre kein Geld für den Trambau vorgesehen.

Die Tram und die Nouvelle N3

Lies bringt den geplanten Trambau auch in Verbindung mit der geplanten Nouvelle N3, einer Umgehungsstraße, die u.a. die Hesperinger Umgehungsstraße (Süden-Modul) beinhaltet. “Die drei Module bilden ein Ganzes, allerdings hat der Minister beschlossen, die Module Norden und Zentrum zu priorisieren, das Modul Süden, also die Hesperinger Umgehungsstraße, wurde aus der Prioritätenliste gestrichen. Ich warte bis heute auf eine Erklärung.”

Der CSV-Abgeordnete möchte, dass Bausch in der zuständigen parlamentarischen Kommission Stellung zur Umgehungsstraße bezieht und hat Ende Februar einen Antrag gestellt. Doch bis heute sei das Thema nicht auf der Tagesordnung des Ausschusses erschienen.

Niederanven: Strecke führt durch Natura-2000-Gebiet

Auch Raymond Weydert wirft dem Minister Intransparenz vor. “Mit uns wurde weder über die Finanzierung noch über die Kompensierung gesprochen”, erklärt Weydert. Die Strecke auf dem Territorium der Gemeinde Niederanven führe durch ein Natura-2000-Gebiet. “Hier muss kompensiert werden. Die Frage ist, wo wird kompensiert und wer ist dafür verantwortlich”, so Weydert.

Er macht sich auch Sorgen wegen des Verkehrsaufkommens. Mit dem Bau eines Park&Ride mit 4.000 Stellplätzen auf dem Flughafengelände werde die ohnehin schwierige Verkehrssituation noch weiter verschärft.

“Wir wollen wissen, welchen Mehrwert die Tram schaffen wird. Darüber haben wir keinerlei Informationen”, so der Niederanvener Bürgermeister, der vom Minister erwartet, dass er Kontakt mit seiner Gemeinde aufnimmt.

Die Tram muss kommen

Beim wöchentlichen Pressebriefing von Premierminister Bettel wies Nachhaltigkeitsminister François Bausch den Vorwurf allerdings zurück. “Die Tram muss kommen”, so Bausch auf Nachfrage.  Er werde demnächst mit den Verantwortlichen der drei Kommunen reden. Auf die Frage, ob der Staat u.U. das Projekt alleine stemmen würde, falls Niederanven, Hesperingen und Sandweiler ihre finanzielle Unterstützung verweigern würden, meinte Bausch ausweichend, dass in dem Fall  andere Mobilitätsprojekte dieser Kommunen gegebenenfalls überprüft werden müssten.

Premier Bettel betonte seinerseits, dass die Anbindung an die Tram-Trasse für die drei Gemeinden einen deutlichen Gewinn für darstelle.